Paul Eis

The Architecture Photographer

MOLOGUE: Warum bist du bei Instagram?

Paul Eis: Bevor ich mit Instagram angefangen hatte, postete ich meine Fotos auf Facebook. Doch dort stellte ich nach einiger Zeit fest, dass die Community relativ strikt den derzeitigen Trends in der Fotografie, also in der Architektur vor allem Schwarz-Weiß-Langzeitbelichtungen, folgte. Und auch wenn ich eine Zeit lang ähnliche Sachen ausprobiert hatte, war ich zunehmend gelangweilt. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die meisten Leute dort alles, was vom Trend abweicht, ablehnen oder zumindest nicht wahrnehmen.
Instagram kannte ich schon, bevor ich mit meinem Blog angefangen hatte, durch persönliche Nutzung relativ gut und wusste, dass dort auch experimentellere Konzepte eine Chance haben. Nachdem ich dort zu Beginn einige ältere Bilder veröffentlicht hatte, begann ich neue Dinge auszuprobieren und bin relativ schnell zur Idee gekommen, die Gebäude einzufärben. Als ich für die ersten Bilder, die ich auf diese Weise gemacht hatte, ziemlich viel Zuspruch bekam, beschloss ich daraus eine größere Serie zu machen.

Welche fotografischen Vorteile siehst du bei Instagram?

Instagram bietet neben der wirklich positiv gestimmten Community, die sich für sehr viel begeistern lässt, auch ein paar fotografische Vorteile.
Einmal die Reduzierung auf das Quadrat als Grundformat. Auch wenn es ja nun schon seit über einem Jahr möglich ist auch rechteckige Bilder zu posten, so ist man eigentlich dennoch sehr auf das Quadrat eingeschränkt, da der Nutzer, solange er das Bild nicht aufruft, in seinem Feed, oder in der Galerie nur den quadratischen Ausschnitt sieht. Außerdem ist das Bild, da Instagram von den meisten nur über das Smartphone benutzt wird, relativ klein und dazu nicht besonders hoch aufgelöst.
Diese Dinge zwingen den Fotografen quasi dazu den Inhalt seiner Bilder auf das Wesentliche zu beschränken, wie bei mir die Gebäude selbst. Weitere Details würden also nur stören bzw. nicht wahrgenommen werden. Und die technische Qualität der Bilder, die wesentlich von der Ausrüstung abhängt, ist dazu nicht sehr entscheidend, was mir persönlich aber weniger bringt, da ich nicht, wie viele andere, mit dem Smartphone fotografiere.

Was wird nach Instagram kommen und wo werden wir dann deine Bilder sehen?

Das ist eine schwere Frage, die ich ehrlich auch nicht wirklich beantworten kann. In der vergangenen Zeit sind ja Trends wie Facebook, Instagram, oder zuletzt Snapchat immer in sehr kurzer Zeit sehr bekannt geworden. Andere Netzwerke hingegen haben rasch an Bedeutung verloren. Was also der nächste große Trend wird ist demnach schwer zu sagen. Ich denke aber, dass es noch spezialisierter werden wird. Während man bei Facebook quasi alles posten kann, was das Herz begehrt, so ist man bei Instagram zu Beginn zumindest auf quadratische Fotos beschränkt gewesen, die später durch Videos ergänzt wurden. Und beim neusten Trend Snapchat, den ich für die Präsentation meiner Bilder sehr ungeeignet finde, kann man sich die Bilder sogar nur eine gewisse Zeit ansehen.
Ich persönlich werde, solange die Community so kreativ wie jetzt bleibt, erstmal bei Instagram bleiben. Ich könnte mir auch vorstellen, wenn sich mir die Gelegenheit ergibt, meine Bilder ganz analog, in Form eines Buches oder einer kleinen Ausstellung zu präsentieren.

Was willst du mit deinen Bildern bewirken?

Ich finde Architektur sollte im ganzen mehr als Kunst wahrgenommen werden und nicht nur als funktionales Objekt, auch wenn dies natürlich in einigen Fällen sehr sinnvoll ist. Meine Bildserie kritisiert ein wenig den häufig sehr eintönigen und einfallslosen Baustil, der in Städten wie Berlin häufig anzutreffen ist. Ich will nicht unbedingt, dass alle Gebäude in Wirklichkeit so bunt wie auf meinen Bildern sind, denn ich denke das wäre auch zu viel des Guten. Meine Bilder sollen eher ein, sicherlich oft absurdes Gegenbild zur tristen Stadtlandschaft bieten. Und den Betrachter ermuntern, sich Gedanken über die Gestaltung von Bauwerken zu machen.

Wie gehst du bei der Bearbeitung deiner Bilder vor?

In der Bearbeitung führe ich zuerst eine Perspektivkorrektur durch, so dass die vertikalen Achsen des Gebäudes auch im Bild senkrecht stehen. Dies lässt das Gebäude fast schon monumental erscheinen. Anschließend schneide ich, um diesen Effekt noch zu verstärken, das Gebäude komplett aus seiner Umgebung aus und ersetze den Himmel mit dem einheitlichen blauen Hintergrund.
Um die Farben hinzuzufügen zerteile ich das Gebäude in einzelne Segmente, die ich einzeln einfärbe. Dabei orientiere ich mich an den Merkmalen der Bauwerke, wie zum Beispiel Fenster oder Balkone.

 

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