Marcus WitteSeptember 2012

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Am Anfang meines Studiums suchte ein Freund nach einem Fotolabor, um Schwarz/Weiß Negative zu vergrößern. Ich wohnte damals gegenüber vom Friedrichstadtpalast in einer Neubauwohnung unterm Dach mit fensterlosem Bad. Ich bot ihm an, gemeinsam ein Labor einzurichten. Es entstand eine eigenartige Sehnsucht selbst Fotos zu entwickeln aber ich besaß keine Negative. Um das zu ändern, lieh ich mir eine Praktika MTL 5 und fing an Freunde zu fotografien. Es stellte sich bald heraus, dass mich Portraits am stärksten packten. Dank „Foto Impex“, die ihren Laden vor meiner Tür hatten, gab’s immer genug Filmmaterial und viele hilfreiche Tipps von Lutz, einem Spezialisten, wie man ihn heute nur noch selten findet.

Im selben Jahr unternahmen wir als Laborpartner eine Fotoreise nach Moskau. Jeder mit einem Rucksack voller Filme,  begaben wir uns ins Abenteuer der fremden Stadt. Nach einem Marathon im Labor und unserer ersten Ausstellung, hat mich die Leidenschaft am Fotografieren nicht mehr losgelassen. Das waren aber die eher externen Impulse, die mich zu dieser Tätigkeit brachten, danneben gab es noch Motive, die eher philosophischer Natur waren. Das betrifft insbesondere die Dimension der Zeit. Ein Beispiel: Ich hatte früher mehrere Fotos von Heinz Rühmann zuhause, die ihn direkt nebeneinander als jungen und alten Mann zeigten. Zum einen waren es Starfotos, zum anderen ergaben sie ein Vexierbild der Vergänglichkeit.

Was inspiriert dich?
Ich versuche bei jedem Job den angemessenen Look zu finden oder eben den passenden Stil, wobei das ein sehr weiter und somit undeutlicher Begriff ist. Ich spreche lieber von Look. Im Moment fotografiere ich gern mit Dauerlicht und etwas längeren Zeiten, ich mag das Warme und Weiche. Selbst wenn das Weiche ins Unscharfe geht, vermisse ich selten etwas. Das hängt immer ein bißchen davon ab, welche Bildwirkung beabsichtigt ist, an welchem Ort und unter welchen Bedingungen das Bild veröffentlicht wird.

Zur erwähnen wäre bei dieser Frage vielleicht noch der Arbeitsprozess. Eine enorme Rolle bei der Entstehung der Bilder spielt das kommunikative Element. Letztlich arbeitet man mit Menschen und der Zugang zu deren darstellerischen Qualitäten läuft über die emotionale Ebene. Es geht um Vertauen, sonst bleiben die Bilder kalt. Insofern könnte mein Streben nach warmen Bildern als stilistisches Mittel bezeichnet werden.

Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?
Mich faszinieren Typen wie Du und Ich, Normalos, Freaks und Schausteller. Also Menschen an sich und in was für Situationen sie sich begeben und aufhalten. Das inspiriert mich dazu, besondere Fotos zu schaffen und vor allem Geschichten zu transportieren! Ich lasse mich auch durch die Arbeiten anderer Künstler anregen. Sei es der italienische Bildhauer des Manierismus, Country-Sänger oder Filmemacher der Stummfilmzeit. Grundsätzlich gilt aber, dass mich ein Song von etwa Willie Nelson eher inspiriert als die Ausstellung eines hochgejubelten Kunststars in einer der zahlreichen Galerien in der Auguststraße. Ich wohne da und weiß, wovon ich spreche.

Oftmals reichen kleine Impulse oder Beobachtungen aus, um eine Bildidee zu entwickeln. Beim Shoot selbst ergeben sich Situationen, die einem zu Neuem inspirieren. Man kann vieles planen, wie Licht oder Location aber nicht die Interaktion, die beim Fotografieren entsteht. Da bin ich überzeugter Anhänger des Situationismus! Arbeite mit dem, was da ist!

Marcus Witte, geboren 1976 in Deutschland, ist seit 1998 freier Fotograf. Er lebte u.a. in Russland und den USA. Er arbeitete u.a. mit Kristian Schuller in Paris zusammen und spricht fließend italienisch, russisch und englisch. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Mehr Infos: www.marcuswitte.com

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