September 2015

MOLOGUE: Wie und wann kamst du zur Fotografie und wie hast du dich seitdem weiterentwickelt?

Jonas Hafner: Nach meinem Abitur verbrachte ich 12 Monate in Schottland, wo ich meinen Zivildienst absolvierte. Hier hatte ich das erste Mal eine analoge Spiegelreflexkamera in der Hand und war ganz begeistert davon. Anschließend bereiste ich für ein weiteres Jahr Neuseeland und kaufte mir für diese Reise eine der ersten digitalen Spiegelreflex-Kameras (Nikon D50). Wie viele andere habe also auch ich mit der Landschaftsfotografie begonnen. Während meines Medizinstudiums in Freiburg entdeckte ich Stück für Stück meine Begeisterung für Portraits. Ich fotografierte die Erstsemesterrallye, das Teddybärkrankenhaus und war schließlich als Fotograf für unsere Medizinerzeitschrift tätig. Bis zu meinem ersten richtigen Portraitshooting sollte jedoch noch etwas Zeit vergehen; aber irgendwann habe ich mir einfach zwei gute Freundinnen und meine Kamera geschnappt und losgelegt. Kurze Zeit später bin ich für ein Erasmusjahr nach Schweden aufgebrochen. Während dieses Jahres blätterte ich eines Tages in der Ambulanz durch einen neurologischen Untersuchungsbogen und fand dort das Wort “gäpätä”.

Bei diesem Test lässt man Patienten auf den Zehen gehen, und kann dadurch bestimmte Krankheitsbilder erkennen. Mir gefiel sowohl das Wort mit seiner Symmetrie als auch die Vorstellung auf Zehen über eine Wiese zu laufen. So hieß meine erste Seite damals “Gäpätä”. Zurück in Deutschland musste ich allerdings feststellen, dass die meisten Menschen hier dem Schwedischen nicht mächtig sind. Aus der direkten Übersetzung gehen (gä) auf (pä) Zehen (tä) wurde “Aufzehengehen”. Ein weiteres Beispiel dafür, dass man auch über Umwege zum Ziel kommen kann. Irgendwann bemerkte ich, dass ich mit meinem Hobby nicht alleine bin und fing an mich mit anderen Fotografen und Fotografinnen zu treffen. Ich fotografierte fleißig weiter und plötzlich sah ich meine Bilder in Fotozeitschriften wieder, gab Workshops und beendete vor kurzem schließlich mein Studium. Nun wohne ich in Hamburg und arbeite als Assistenzarzt. In meiner Freizeit versuche ich immer noch Zeit für die Fotografie zu finden.

MOLOGUE: Woher nimmst du deine kreative Inspiration?

Jonas Hafner: Kreativität sammelt sich in mir jeden Tag an. Durch Musik, Gespräche, Filme und Fotos, die ich im Internet entdecke. Das meiste passiert wahrscheinlich unbewusst. Aber irgendwann kann ich gar nicht anders und muss diese Energie loswerden. Manchmal nehme ich dann meine Gitarre in die Hand oder setze mich auf meine Cajon und mache Musik. Manchmal buche ich einen Flug in ein fremdes Land und wandere durch die Berge. Und manchmal stecke ich eine leere Speicherkarte in meine Kamera und ziehe los. Vielleicht es ist ein innerer Wunsch etwas Neues zu schaffen, nicht im Alltag zu versinken und weiter zu kommen, auch wenn es anstrengend sein kann. Rückblickend freut man sich fast immer, dass man nicht zuhause auf der Couch geblieben ist. Um mir meine Kreativität zu bewahren, nehme ich keine bezahlten Shootings an. Die Fotografie ist für mich ein schöner Ausgleich zu meinem Beruf und früher zu meinem Studium. Ich will genau das machen, worauf ich Lust habe und keine Erwartungshaltung erfüllen – von meiner eigenen abgesehen.

MOLOGUE: Wie würdest du deinen eigenen fotografischen Stil beschreiben?

Jonas Hafner: Seinen eigenen Stil zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Für mich sehen die Bilder ja meistens alle anders aus. Manche verbinden mit meinen Bildern geschlossene Augen, andere Sommersprossen oder Licht- und Schatteneffekte. Wiederum andere sagen ich fotografiere sehr feminin, was auch immer das bedeuten mag. Ich selbst mag natürliche Schönheit, die ohne Make-Up, teure Kleidung oder sonstige Accessoires auskommt. Ich liebe spannende Bokehs und Bilder, die einen immer wieder etwas Neues entdecken lassen und eine Stimmung einfangen, die glaubwürdig ist – auch wenn das Bild insziniert war.

MOLOGUE: Bitte nenne einen (oder mehrere) Fotografen, dessen Arbeit deinen Stil maßgeblich beeinflusst hat.

Jonas Hafner: Die Fotografin, die mich am maßgeblichsten beeinflusst hat, war mit Sicherheit Luisa Möhle. Es gibt viele andere Fotografen und Fotografinnen, die ich sehr bewundere. Um einige zu nennen: Marat Safin, Oleg OpriscoAnka Zhuravleva, Maarten Schröder und Hannes Caspar.

MOLOGUE: Entwickelst du im Regelfall Konzepte oder sind es meistens spontane Ideen, die deine Fotos zu dem machen, was sie sind?

Jonas Hafner: Früher waren es ausschlieІlich spontane Ideen. Erst vor kurzem fing ich auch an mir Konzepte auszudenken und versuchte diese umzusetzen. Jedoch lasse ich mich meistens immer noch von meinem Bauchgefühl und der jeweiligen Lichtstimmung leiten, und habe schon mehr Konzepte über Board geworfen als wirklich umgesetzt.

MOLOGUE: Gibt es Teile in deinem Equipment, ohne die du nicht arbeiten wollen würdest? Welche Kamera und welche Objektive nutzt du vorrangig?

Jonas Hafner: Ich fotografiere mit einer Nikon D800 und einem Nikkor 50mm 1,4G. Ab und zu teste ich auch andere Objektive oder Kameras aus, aber im Endeffekt sind es die Ideen, die zКhlen und die ein Bild zu etwas Besonderem machen. Meine Nachbearbeitung beschränkt sich zu 99% auf Lightroom. Wenn ich viel Zeit habe, versuche ich meine Photoshop-Kenntnise zu erweitern, aber als Arzt ist Freizeit ein selten benutztes Wort.

MOLOGUE: Was sind für dich persönlich die größten Schwierigkeiten in der Fotografie?

Jonas Hafner: Egal wie gut oder schlecht man fotografiert, es besteht immer die Gefahr mit seinen Bildern unzufrieden zu sein, weil man dort draußen so viele Bilder entdeckt, die einem viel besser gefallen als die eigenen. Sich nicht mit anderen zu vergleichen und seinen eigenen Weg zu gehen, ist eine der größten Herausforderungen. Sich immer wieder neu zu erfinden und nicht auf der Stelle zu treten ist eine andere Sache, die mich immer wieder beschäftigen wird. Doch viele Veränderungen sind sehr subtil und kristallisieren sich erst mit der Zeit heraus. Im Endeffekt muss man einfach auf sein Bauchgefühl hören und solange man Spaß an der Fotografie hat, einfach damit weitermachen.

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