Chris Roemer

Erzähle uns von dem Projekt in dessen Rahmen die Fotos der Bulgarienserie entstanden sind.

Ich arbeite mit meinem Kollegen Julius Schmitt schon seit längerer Zeit zusammen. Als er mich gefragt hat, ob ich sein Multimediaprojekt „Menschen die nach oben starren“ unterstützen möchte, musste ich nicht lange überlegen. Mir hat die Ironie dieser Geschichte von Beginn an sehr gut gefallen: 1995 kündigen drei Frauen die Landung von Außerirdischen an natürlich ausgerechnet in Shtraklevo. Aus irgendeinem Grund glauben das tausende Menschen sofort und nun wollen sie die Besucher in diesem entlegenen Nest empfangen. Wir haben uns also auf den Weg nach Nordbulgarien gemacht und die Ortsansässigen zu den damaligen Geschehnissen befragt. Vor allem wollten wir diese drei Frauen finden, doch das war unmöglich. Ich habe unsere Eindrücke und die Interviews mit meiner Kamera festgehalten, damit Julius sie für seine Reportage benutzen und somit die Geschichte weitererzählen konnte.

Wie kamst du zur Fotografie und wie hast du dich seitdem weiterentwickelt?

Ich habe mich schon immer dem Schauspiel sehr hingezogen gefühlt und deshalb galt mein Hauptinteresse zunächst dem Film und dem Theater. Irgendwann hielt ich zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera in den Händen und so habe ich das Filmemachen aus einer neuen Perspektive gesehen. Natürlich habe ich zuerst die Technik gefeiert und wirklich alles fotografiert, was auch nur halbwegs spannend war. Das war wichtig, so habe ich gelernt, mit der Kamera umzugehen. Mittlerweile denke ich, dass man einem Motiv mehr entlocken kann; mehr als: „Das hier ist eine schöne Blume.“

Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Ich tue mich schwer mit der Vorstellung, dass man als Fotograf bewusst einen bestimmten Stil verfolgt. Ich denke, dass sich viele Kollegen einen bestimmten Stil aus Gründen der Vermarktung aufzwingen. Und natürlich hat jeder im Hinblick auf Kamera, Arbeitsweise oder Thematik seine Vorlieben. Mir fällt aber auf, wie spontan ich beim Fotografieren bin, insbesondere wenn ich dokumentarisch arbeite. So oft weiß ich nicht, was auf mich zukommt und wie die Umwelt auf meinen Fotoapparat reagieren wird und genau dieses Abenteuer liebe ich. Ich versuche, mit den Menschen, mit dem Licht und der Umgebung auszukommen und nichts zu inszenieren.

Was sind für dich persönlich die größten Schwierigkeiten bei der Fotografie?

Das Finden von Geschichten und das Aufspüren besonderer Orte und Menschen ist zugleich das Schwierigste und das Leichteste. Denn wenn wir ehrlich sind, ist heutzutage jeder irgendwie ein Fotograf und das Publikum hat halt schon sehr viel gesehen. Andererseits gibt es unendlich viele Motive, man muss akzeptieren, dass man oft sehr hart für ein Foto arbeiten muss. Wenn man sich nicht auf den Zufall verlassen will, dann muss man jeden Tag Ausschau halten.

Gibt es Fotografen, die deinen Stil maßgeblich beeinflusst haben?

Zuletzt gab es hier in München eine Ausstellung mit den Bildern von Sebastião Salgado, dessen Lebenswerk ich bewundere. Ich bin auch von Eugène Atget und Paolo Roversi sehr beeindruckt.

Wen, was oder an welchem Ort würdest du gerne einmal fotografieren?

Auf jeden Fall möchte ich in den nächsten Jahren meine Workers-Reihe fortsetzen und dafür will ich weiterhin die verschiedensten Orte auf der Welt besuchen. Bisher habe ich Arbeiter in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten, Portugal und Marokko abgelichtet, aber noch nicht in meiner heimatlichen Umgebung. So geht das natürlich nicht weiter. Die Serie soll so vielfältig wie möglich werden!

Website von Chris Roemer

Bilder von Chris Roemer kaufen

Zurück zur Übersicht

 

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017