MOLOGUE-Interview mit Fotograf Lennart Bader

Lennart Bader im Interview mit MOLOGUE

Lennart Bader: „Meine Fotografie ist auch durch Social Media ‚groß‘ geworden“

Die Karriere von Lennart Bader begann – so viel kann man verraten –  in der Schulzeit. Die erste Kamera hörte auf den Namen 350D und begründete fortan den steilen Aufstieg von Lennart Bader. Heute zählt der Fotograf aus Aachen zu den versiertesten People-Fotografen Deutschlands und wird oft in einem Atemzug mit Paul Ripke und André Josselin genannt . Warum gerade André Josselin einen großen Einfluss auf seine fotografische Arbeit hat und was er Fotografie-Anfängern auf dem Wege geben möchte, liest du im folgenden Interview:

MOLOGUE: Hallo Lennart! Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Lennart Bader: Auf ganz klassischem Wege: Irgendwann mal in der Schulzeit von einem Kollegen eine Spiegelreflex in die Hand gedrückt bekommen. Vollkommen begeistert von dem wahnsinnigen Effekt gewesen, der sich später als die sagenumwobene Tiefenunschärfe herausstellte. Also umgehend meine Mutter genötigt, mir bloß so eine Kamera zum Geburtstag zu schenken und mein Geld für einige Zeit nicht für Panini-Sticker und Haribo ausgegeben, um das nötige Kleingeld für ein passendes Objektiv übrig zu haben. Und dann, eines Tages im September, war sie da: die EOS 350D. Da werde ich ja fast melancholisch…

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MOLOGUE Welche Fotografen beeinflussen deine Arbeit?

Lennart Bader: Das erste Mal für People-Fotografie begeistert habe ich mich beim Anschauen eines Bildbands von Oliver Mark auf einer Familienfeier. Da kam mir erstmals der Gedanke, dass ich mit meiner Kamera sowas auch mehr machen will. Die Motivation verflog dann aber, wie so oft, nach ein paar Tagen (oder ein paar Bierchen) und wurde auch erstmal
nicht wiederbelebt. Erst durch Social Media hatte ich dann wieder wirklich Kontakt mit der Fotografie. An erster Stelle ist hier – wer hätte das gedacht – André Josselin, der mich immer sehr inspiriert hat und den ich heute als einen meiner besten Freunde bezeichne. Ohne ihn würde ich sicher nicht das tun, was ich heute tue und wäre nicht dort, wo ich jetzt bin (bitte jetzt nochmal zu romantisch-dramatischer Musik lesen).

Wenn man dann erstmal in diese Social-Media Fotographen-Welt eintaucht, wird man meiner Meinung nach irgendwie von jedem beeinflusst und inspiriert. Und man darf auch nicht außer Acht lassen, dass uns alle das Feedback, nämlich die Likes und Comments der Betrachter, mehr oder weniger beeinflussen – was einige natürlich wie immer erbost von sich weisen, was aber nunmal so ist.

MOLOGUE: Welche Tipps kannst du Anfängern auf den Weg geben?

Lennart Bader: Das ist jetzt auch ziemlich 0815, aber: Einfach mal das machen, was man sich vorstellt. Ich selbst habe lange genug gebraucht, um mal die Kamera in die Hand zu nehmen und mir wirklich Freundin X oder Model Y vor die Kamera zu holen und ein paar Bilder zu machen. Fühlt sich am Anfang komisch und unsicher an, aber ohne die erste kleine Euphorie, die eintritt, wenn man diesen Punkt überschreitet, wird das auch nix 🙂

MOLOGUE: Wie nimmst du Feedback von anderen Fotografen wahr?

Lennart Bader: Ich bin grundsätzlich für jedes Feedback dankbar. Ob positiv oder negativ. Freue mich über jeden Comment und jedes Like (s.o.), wenn es von Kollegen vom Fach kommt, umso mehr. Ich muss zugeben, dass ich mich selbst aus der Fotografen-„Szene“ relativ rausgehalten habe und z.B. nicht groß an Meetups oder ähnlichem teilnehme. Das habe ich einfach so für mich entschieden und soll diese Treffen jetzt nicht diskreditieren.Entsprechend habe ich nur wenig Draht zu anderen Kollegen. Negative Kritik bekommt man bekanntlich am ehesten über zwei oder mehr Ecken mit, wenn man mal wieder hört, dass derjenige dies und jenes von demjenigen über mich gehört hat. Aber das gehört wohl dazu. Beirren lassen sollte man sich davon nicht. Haters gonna hate undso (ha! wollte ich immer schonmal sagen)

MOLOGUE: Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei der fotografischen Arbeit?

Lennart Bader: Wie schon gerade angedeutet: eine enorme. Ich selbst kann mir die Fotografie abgekapselt von Social Media überhaupt nicht vorstellen. Meine Fotografie ist allerdings auch durch Social Media ‚groß‘ geworden, wenn man das so nennen kann. Wirklich gelernte Fashion-Fotografen bspw. oder eben alte Fotografen-Größen haben Social Media überhaupt nicht ‚nötig‘, wobei es viele von ihnen ja trotzdem zum Spaß machen. Ich selbst habe den Großteil meiner Aufträge Social Media zu verdanken, und nachdem ich anfangs skeptisch war, ob sich das tägliche Zeit-Investment in Instagram & Co wirklich lohnt, haben mich diverse Kooperationen, die über diese entstanden sind, schnell eines Besseren belehrt, sodass ich eigentlich nur dankbar dafür sein kann, dass es sie gibt. Ein Social-Media-Fanboy also.

Ich selbst kann mir die Fotografie abgekapselt von Social Media überhaupt nicht vorstellen.

candid-posing over the rooftops of #barcelona on january 1st, being all ready for 2017 // @andrejosselin

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MOLOGUE: Wo holst du dir Inspirationen her?

Lennart Bader: Surprise! Social Media (zählt jemand mit wie oft ich den Begriff nenne?), Blogs & Co. Ansonsten bin ich mittlerweile auf den Geschmack von Bildbänden gekommen – nicht unbedingt von den großen Namen der Fotografie (von denen habe ich nämlich absolut keine Ahnung), sondern auch von einigen, die derzeit auf den Trend des „Ich-will-ein-Buch-veröffentlichen“s aufgesprungen sind, der gefühlt von Ben Bernschneider und André Josselin initiiert wurde. Wirklich ganz cool zu sehen, was da teilweise bei rumkommt.

MOLOGUE: Wie wichtig ist eine gute Kamera für ein gutes Bild?

Lennart Bader: Ich selbst bin ein Technik-Freak, ich hab gerne das technisch ausgefallenste und auch hochwertigste am Start. Für ein gutes Bild reicht aber auch eine Einsteiger-Cam. Ein halbwegs brauchbares Objektiv sollte es aber meiner Meinung nach schon sein – da kann man sich aber auch z.B. durch ältere, adaptierte Optiken helfen, sofern das Budget beschränkt ist.

MOLOGUE: Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Lennart Bader: People/Lifestyle-Mainstream-Shit 🙂 Oder so. Mittlerweile mache ich zwar mehr Fashion und Editorials als vorher und ich experimentiere auch viel mehr in verschiedenen Stilen rum, aber davon kriegt die Öffentlichkeit wenig bis nix zu sehen. Das ist auch so beabsichtigt.

MOLOGUE: Welches fotografische Thema würdest du gern mal ausprobieren?

Lennart Bader: Nicht direkt fotografisch, aber mich zieht es gerade ein wenig mehr in Richtung Bewegtbild. Da kommt demnächst auch schonmal was, man darf gespannt bleiben…

 

Wir bedanken uns bei Lennart Bader für das Interview. Mehr über Lennart Bader sowie seine fotografischen Arbeiten erfährst du hier:

Facebook

Instagram

Behance

500px

Website

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