MOLOGUE-Feature mit Fotografin Kim Höhnle

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Kim Höhnle: "Meine Inspiration ist der Mensch"

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Fotografie: Kim Höhnle und vorallem ihre Fotografien sind der Wahnsinn. In den sechs Jahren, in dem wir MOLOGUE schon machen gehört dieses Feature eindeutig zu unseren Liebsten. Selten hat uns ein Interview so berührt und die Bilder einfach umgehauen. Fotografin Kim Höhnle hat einiges zu sagen und fantastische Fotografien zu zeigen. Nimmt euch Zeit für dieses Feature und empfiehlt es weiter. Kommentiert es gern oder folgt ihr auf Instagram. Schreibt ihr eine Mail. Doch egal, was ihr letztendlich macht: Genießt dieses Feature und lest dieses tolle Interview. Wir verneigen uns vor dieser Fotografin und sind sehr stolz, dass wir ihre Bilder zeigen dürfen.

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MOLOGUE: Hallo Kim! Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Kim Höhnle: Eigentlich bin ich über Umwege reingerutscht, die aber so nahe beieinander liegen. Ich hab mit 18 anfangen in Mannheim Illustration / Grafik zu studieren, es war eine reine Kunstschulen, die es heute leider so nicht mehr gibt, an der ich mein staatlich anerkanntes Diplom machen konnte. Es ging dabei nur um das reine Zeichnen und Malen.  Von Typografie, über Aktzeichen, Illustration mit Feder und Tusche, von Öl bis Acryl.

Ich hab schon sehr früh im Kindersalter meine Liebe zur Malerei entdeckt. Ich war dann in meiner eigenen Welt und konnte abtauchen. Wenn ich mir heute meine Diplomarbeiten anschaue, das hab ich vor 9 Jahren gemacht, sehe ich sehr viel Tusche in schwarz weiß, sehr viel nackte Frauen und
gesellschaftskritische Themen. Zu meiner Fotografie von heute ist es gar nicht so weit weg.
 
Ich interessierte mich damals schon für die Fotografie, aber ich hätte nie daran gedacht, dass dies mal mein Weg sein würde. Ich bekam dann später eine Kamera auf Wunsch von meinen Eltern, knipste alles was mir vor die Linse lief, und merkte immer wieder dass der Mensch mich in seinen Bann zog. Ich eröffnete auch sehr schnell mit einer Freundin zusammen unser erstes Atelier / Studio. Und damit begann die Geschichte auch. Ich malte viel, fotografierte leidenschaftlich, es wurde immer mehr und mehr.  Ich hab nie groß über das, was ich machte, nachgedacht. Ich wusste: ich liebe es und das reichte mir .
 
Die Nachfrage stieg ständig, bis irgendwann die Malerei  auf der Strecke blieb, und ich mich schweren Herzens nur noch auf die Fotografie konzentrierte. Das war 2010. 

 

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MOLOGUE: Welche Fotografen beeinflussen deine Arbeit?

Kim Höhnle: Mhmm,  eine wirklich sehr schwierige Frage. Ich würde sie umformulieren und sagen, wer mich in der Zeit geprägt hat. Da gibt es nämlich so einige Menschen.

An erster Stelle steht einfach meine Mama.Sie hat mir alle Wege freigeräumt,  damit ich MEINEN Weg gehen kann und ich mich verwirkliche - das prägt ein Leben lang. DANKE MAMA, sie ist ein Muttertier wie aus dem Bilderbuch. Sie und mein Vater haben mich immer unterstützt, mich meine Träume leben lassen und mit wir war es sicher nicht immer einfach,  dafür liebe ich sie so sehr. 
 
So zurück zur Fotografie: Ich liebe die Abeiten von  VINCENT PETERS oder PETER LINDBERGH,
sie sind die wahren Pioniere der Fotografie. PETER COULSON: mega stark.  ELLEN VON UNWERTH: sie würde ich sofort heiraten wäre ich ein Mann. Schon aufgefallen: PETER ist wohl ein Name der Magie. Klar, das sind Fotografen zu denen -  glaub ich - jeder aufblickt. Aber aus meinem „Umfeld „ gibt es genauso viele:
  • Moritz Fuchs, die Einfachheit der Sinnlichkeit erschlägt mich manchmal 
  • Holger Nitsche, seine Handschrift ist einzigartig, seine Bilder berühren mich immer wieder.
  • Peter Müller, unglaublich wie er es immer wieder schafft, überwiegend Frauen in ihrer schönsten Blüte einzufangen.
  • Martin Neuhof, ein so kreativer Kopf, beeindruckt mich immer wieder.
  • Alexander van Wiedenbeck muss man sich anschauen. Ich bin damals über das Projekt HOPE auf ihn aufmerksam geworden. Er sprengt Grenzen, öffnet neue Türen für einen neuen Blickwinkel.
  • KUBAGRAFIE, seine Sprache ist in meinen Augen sehr außergewöhnlich. Ganz großes Talent.
  • Andreas Jorns, Stefan Beutler sind ganz großartige Künstler.
  • Gioaccino Dell Erba, was er zaubert, ist einzigartig. Bei seinen Arbeiten bleib ich sehr oft hängen. 
Die Liste findet kein Ende, gerade weil es so tolle Kollegen/Künstler gibt. Ich könnte hier noch viele andere Fotografen aufzählen.  Aber es gibt Menschen, die haben wirklich was bei mir hinterlassen, zb Oliver Rath. Ich bewunderte ihn schon immer. Und als ich ihn vor knapp 2,5 Jahren in seiner Galerie besuchen durfte bestätigte sich alles. Glaub mir, mein Herz raste wie verrückt. Er hat immer schon „sein Ding „ durchgezogen, egal wie hart der Weg war. Ließ sich von nix und niemanden beeinflussen - er nahm alle Höhen und Tiefen mit. So locker und offen sprach er auch mit mir.  Das hatte mich so gestärkt und beeindruckt. Dafür bin ich ihm auf ewig dankbar.
 
ES IST NICHT IMMER DIE KUNST DIE PRÄGT, SONDERN VIELMEHR DER MENSCH DAHINTER.
 
Und wisst ihr, was ich mich schon immer gefragt habe? Warum sind es die Männer,  die es schaffen, Frauen in ihrer schönsten und sinnlichesten Form einzufangen? Ich bin selbst Frau, aber muss das einfach zugestehen und das  beschäftigt mich immer wieder.  Oder seh ich das falsch? Ich glaub, da ist schon was dran.

 

MOLOGUE: Welche Tipps kannst du Anfängern auf den Weg geben?

Kim Höhnle: Da gibt es eigentlich nur einen: GLAUBE IMMER AN DICH. Denn wenn du es nicht tust, wer soll es dann tun? Und man muss durch Höhen und Tiefen gehen. IMMER. Und: keine Berührungsängste haben, Grenzen überschreiten. Das finde ich wirklich sehr wichtig.

MOLOGUE: Wie nimmst du Feedback von anderen Fotografen wahr?

Kim Höhnle: Feedback ist mir sehr wichtig, weil ich daran wachse, sie immer sehr ehrlich sind und ich das sehr schätze. Man MUSS Kritik annehmen können, das gehört einfach zum Leben dazu. Aber noch wichtiger ist das Feedback von meinem engsten Umfeld, sie schauen anders auf meine Arbeit.

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MOLOGUE: Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei der fotografischen Arbeit?

Kim Höhnle: Ich finde, das hört sich immer so abwertend an, wenn man nach „sozialen Medien „ gefragt wird. Aber ich muss sagen: es ist ein Geschenk, wenn man es richtig für sich nutzt. Eine tolle Plattform, dazu kostenlos, man kann tolle Werbung für sich zumachen, lernt tolle Menschen kennen. Was gibt es Besseres?

Sonst könnte ich zb. auch dieses Interview hier nicht machen ;) Man muss aber echt lernen damit umgehen zu können -  so war es bei mir. Ich verbringe nicht mehr viel Zeit damit, sondern nutze es schon fast getaktet. Damit meine ich, dass ich mir die Zeit sinnvoll einteile und nicht stunden damit verbringe, so wie am Anfang, das kann einen schon echt verrückt machen. Und was ganz viele vergessen, es ist eine SCHEINWELT - fern ab von der Realität.

 

MOLOGUE: Wo holst du dir Inspirationen her?

Kim Höhnle: Meine Inspiration ist der Mensch. Und meine eigenen Gefühle. Man muss nur genau hinschauen und entdeckt so viel Tolles und Interessantes. Egal, ob es das Liebes- oder Gefühlsleben ist, oder aktuelle poltische Themen. Das, was mich beschäftigt, verarbeite ich in meinen Bildern. Für mich ist das wie eine Therapie . 

Aber im Vordergrund stehe immer erst ICH. Das klingt vielleicht egoistisch, ist es auch in einer Art und Weise, aber in keiner schlechten. Ich bin mir einfach sehr sehr wichtig und das musste ich auch erst lernen durch meinen Weg,  den ich weiter unten etwas genauer beschreibe. Vielleicht versteht man mich und meinen Blickwinkel dadurch besser.
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MOLOGUE: Wie wichtig ist eine gute Kamera für ein gutes Bild?

Kim Höhnle: Jeder weiß von uns, dass es „Spass" macht, ein gutes Objektiv zu haben sowie eine Kamera, die immer funktioniert. Es erleichtert einfach vieles. Mir ist es aber völlig wurscht, wer mit was fotografiert - ich beschäftige mich nie mit Technik, ich weis wie meine Canon zu bedienen ist und fertig ;) 

ABER jeder von uns weiß auch, eine gute Kamera macht nicht das gute Bild. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Ich würd mir aber auch NIE anmaßen zu sagen, das Bild ist gut oder schlecht. Es ist der eigene Geschmack, der eine große Rolle dabei spielt -  und der ist nunmal weitgefächert und unterschiedlich ist.

MOLOGUE: Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Kim Höhnle: Mhmm, gute Frage. Ich kann sagen, was ich sehr oft höre: Es ist mit viel Gefühl, sehr echt und menschennah. Düster, manchen zu „schwer“ im Sinne von zu emotional. Einige sehen meine Bilder auch zu negativ, aber das sind sie nicht, wenn man genau hinschaut, und auch die Texte liest , die ich alle zu meinen Bildern selber schreibe.

Aber wie ich oft schon sage, die richtigen verstehen das, was ich tue ;)  Das ist nicht abwertend gemeint, sondern damit meine ich nur, dass es nicht jedermanns Geschmack ist.  Womit ich auch gut leben kann . Weil wir können es niemals jedem recht machen, was ich sicher auch nicht will und nicht mein Ziel ist. Für mich gibt es nur schwarz oder weiß , weil es in MEINEM  Leben genau so ist. 
Es gibt für mich nur : Ja oder Nein ,vor oder zurück, einfach etwas ganz klar definiert.
 
So tut es für mich die Schwarz/Weiss-Fotografie auch. Es lenkt nichts ab, zeigt schnell auf, um was es geht. Ich für meinen Teil liebe die Menschen in seiner Schönheit, so wie er ist. JEDER MENSCH hat eine Schönheit, und keiner von uns hat das Recht darüber zu Urteilen. Genau das macht mich aber sehr oft wütend. Aber unsere Gesellschaft ist oberflächlich geworden. Das Leben braucht KEINE Retusche, so wie meine Bilder auch nicht, sondern Liebe zu dem, was die Realität uns zeigt. 
Und das ist mit wichtig.
 
Ich versuche nicht ein Gefühl zu vermitteln, sondern ich fühle und der der mit gegenüber sitzt fühlt. Das, was nachher der Betrachter interpretiert, ist seine freie Meinung, sein Empfinden. Und wenn es bei jemanden etwas auslöst, freut mich das. Ganz egal, ob es Wut, Trauer oder auch Freude ist.
 

MOLOGUE: Welches fotografische Thema würdest du gern mal ausprobieren?

Kim Höhnle: Gar nicht mal so einfach aber dazu muss sich sagen: Ich bin  schon über meine Grenzen gegangen, ohne es damals gewusst zu haben. 

Ich bin selbst sehr früh mit 26 Jahren an Krebs erkrankt und das hat mir eine Seite des Lebens gezeigt die mich sehr geprägt hat, vor allem in der Fotografie -  und das im positiven Sinne. Dadurch hab ich mich sehr schnell an Themen herangetraut und tolle Ausstellungen gemacht:
2013 ECXEPTIONAL FACES - „erst denken , dann verurteilen“ und 2015 SOULFOOD  - Aktfotografie von und über Frauen 
 
Ich hab 2013 zig verschieden Menschen fotografiert, denn jeder hat sein Päckchen im Leben zu tragen, und wir verurteilen einfach viel zu schnell. So wie ich es am eigenen Leib spüren durfte, als ich zb. mit Glatze im Club tanzte und das manchen Frauen nicht in „ihr Bild“ passte. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich durfte sie alle so fotografiert, wie sie nunmal sind und einmal so wie die Gesellschaft einen sieht, von Punk, Gruffties, Schwarze bis Weisse , Skinheads, „normale“, dicke und dünne , kranke Mesnchen usw. haben sich mir anvertraut. 
 
2015 hatte ich die Ehre knapp 300 Frauen nackt zu fotografieren , von 18 bis 80. Immer am selben Strand, von Wasser umgeben, bei Wind und Wetter. Sie vertrauten mir alle ihr tiefstes Ich an und es war eine tolle und emotionale Reise, auch für mich, die mich aber auch sehr viel Kraft kostete und mich an meine Grenzen brachte.  Aber es macht so viel Spass, und ich kann ein bisschen was weitergeben und bekomme so viel zurück, und das macht mich jeden Tag glücklich.
 
Die Fotografie ist einfach der Spiegel meiner Seele .
 
Wer weiß welche spannenden Dinge mich noch alles erwarten …. Man sollte einfach nie vergessen: das Glück liegt so nahe bei uns. 

Mehr über Kim Höhnle

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Wir bedanken uns bei Kim Höhnle für die tolle Zusammenarbeit und das Interview!