MOLOGUE-Feature mit der Fotografin Seelensicht

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Seelensicht: "Ich habe die Portraitfotografie für mich entdeckt."

Die Fotografin Seelensicht ist ein Glücksfall für die Portraitfotografie. In ihren Bildern spiegelt sich ihre Begeisterung für ästhetische Fotografie und die Liebe zu den Portraitierten. Für uns ist es daher eine Ehre, dass die sympathische Fotografin das aktuelle Feature mit ihren Bildern präsentiert. Wir wünschen dir viel Spaß mit dem MOLOGUE-Feature mit Seelensicht!

MOLOGUE: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Seelensicht: Fotografiert habe ich schon immer sehr gerne. Vor gefühlten 1000 Jahren habe ich gern mit analogen Schwarzweiß-Filmen Freunde fotografiert. Künstlerisch war daran rein gar nichts. Später fotografierte ich dann digital die eigenen Pferde. Da stand mehr die Liebe zum Model im Vordergrund, als das der Wunsch mit dem Endergebnis irgendetwas aussagen zu wollen. In der Tat bin ich erst vor wenigen Jahren dazu gekommen, mit einem kreativ-emotionalen Hintergrund Menschen zu porträtieren.

Nachdem ich 2010 mit der Pferdehaltung und dem Reiten aufgehört habe und mich das neugewonnene Hobby Motorrad zu fahren nur saisonal befriedigen konnte, merkte ich irgendwann, dass etwas Intensives fehlte. Etwas, dass mir einen Ausgleich bietet und in dem ich meine Kreativität und Leidenschaft einfliessen lassen konnte. Etwas, dass mir die Möglichkeit bietet auf mehreren Ebenen an mir selbst zu arbeiten. Im Bekanntenkreis gab es eine kreative Fotografin, die mich einmal gefragt hat, ob ich mal von ihr fotografiert werden möchte. Ich habe mich darauf eingelassen und war begeistert von den Ergebnissen. Doch viel mehr war ich davon begeistert, wieviel ihr das Ausleben ihrer Kreativität bedeutete und wie sehr es sie erfüllte. Und da war der Samen gesäht: Ich habe die Portraitfotografie für mich entdeckt. Und je mehr Zeit ich seitdem damit verbringe, desto mehr Facetten endecke ich für mich, die die Fotografie für mich wertvoll und unentbehrlich machen.

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Im Bekanntenkreis gab es eine kreative Fotografin, die mich einmal gefragt hat, ob ich mal von ihr fotografiert werden möchte. Ich habe mich darauf eingelassen und war begeistert von den Ergebnissen. Doch viel mehr war ich davon begeistert, wieviel ihr das Ausleben ihrer Kreativität bedeutete und wie sehr es sie erfüllte. Und da war der Samen gesäht: Ich habe die Portraitfotografie für mich entdeckt

Seelensicht

MOLOGUE: Welche Fotografen beeinflussen deine Arbeit?

Seelensicht: Ganz intensiv empfinde ich die Ausdrucksweise von Stefan Beutler. Es gibt so unfassbar viel Gefühl in seinen Fotografien. Ich liebe die Geschichten, die man in seine Bilder interpretieren kann. Da existiert eine besondere Sensibilität und Feinfühligkeit, die mich ganz und gar abholt. 
Ebenso liebe ich die Arbeit von Agata Serge. Ihre Portraits tragen eine Ehrlichkeit und eine gefühlte Loyalität in sich, die ich unentwegt um mich brauche. Ihre Bilder ziehen meine Blicke magisch an. Sie ist so so pur und verletzlich in ihrem Ausdruck. Das liebe ich.

Unter anderem bin ich stark beeindruckt von der Arbeit von Jean Noir. Auf der ersten Foto Summit in Berlin habe ich überwiegend seine Vorträge besucht und war fasziniert von seiner Art und Weise zu reden, die Leute um sich herum für sich zu gewinnen und seine fotografische Leidenschaft auszuleben. Dann gab es eine Zeit in der ich etwas übersättigt war, weil gefühlt 80% aller im Internet verfügbaren Fotografen seine Arbeit zu kopieren schienen. Das hat sich zum Glück etwas gelegt. Er ist nach wie vor ein Fotograf, der mich fasziniert. Nicht nur mit seinen fotografischen Werken, sondern auch mit seinem Herzblut und seinem Feuer sein Wissen und seine Erfahrungen im Umgang mit Modellen und der verwendetenTechnik in die Welt hinaus zu tragen. Ich kann mir Vorstellen seine Workshops sind legendär.

MOLOGUE: Welche Tipps kannst du Anfängern auf den Weg geben?

Seelensicht: Im Prinzip lernt man ja nie wirklich aus. Die Frage ist doch: Bis wann ist man Anfänger und ab wann Profi? Ich arbeite intuitiv und autodidaktisch. Da verschwimmen die Grenzen vielleicht auch nochmal ganz anders. Vielleicht würde ich den Tipp geben, den ich mir selbst intensiver zu Herzen nehmen sollte: Hab keine Angst Ideen umzusetzen. Trau dich! Weniger Reden, mehr Gefühle fließen lassen!

MOLOGUE: Wie nimmst du Feedback von anderen Fotografen wahr?

Seelensicht: Ich bin nicht gut im Netzwerken oder im Power-Socialising mit Gleichgesinnten, wie es heutzutage offenbar mit Inbrunst betrieben wird. Es ist sicher gut, dass es das in der Form gibt, aber ich mag es übersichtlich und privater. Dementsprechend habe ich mir da proaktiv bisher auch nicht wirklich viel Feedback eingeholt. Das Massen-Feedback im Internet in Form von Likes ist recht inflationär, denn mit der Maustaste ist mal eben schnell geklickt und das hat dementsprechend wenig Aussagekraft für mich. Ein echtes Feedback von Angesicht zu Angesicht oder in einer privaten Mail schätze ich dagegen sehr.

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MOLOGUE: Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei der fotografischen Arbeit?

Seelensicht: Facebock und Co. bieten die Möglichkeit gesehen zu werden. Es agiert wie ein Sprachrohr. Wobei ich hier die Fotografie als eine Art "Sprache" und Form des Ausdruckes sehe. Für diese Möglichkeit bin ich dankbar.

MOLOGUE: Wo holst du dir Inspirationen her?

Seelensicht: Ich nutze mittlerweile sehr gerne Pinterst als Moodboard. Am liebsten würde ich meine Moodboards ja selbst zeichnen. Mit diesem Talent bin ich allerdings nicht gesegnet worden. Ebenso findet man dann und wann beim scrollen durch Instagram ein Bild, dass dem Bild oder dem Gefühl in der eigenen Vorstellung sehr Nahe kommt. Hier gibt es diese wunderbare Funktion eine nur für sich sichtbare Favoritenliste anzulegen. Diese nutze ich auch sehr gern.

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MOLOGUE: Wie wichtig ist eine gute Kamera für ein gutes Bild?

Seelensicht: Ein gutes Bild hat zunächst nichts mit der Qualität des Bildes zu tun, würde ich behaupten. Ich glaube hier greift das Zitat "Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera." von Gisele Freund ganz gut. Auf technischer Ebene sagt man dann wohl auch noch, dass die Qualität der Linse wichtiger sei, als eine hochwertige Kamera. Letztendlich kommt es meiner Meinung nach doch eher darauf an, was für einen Anspruch man selbst hat, was das eigene, fertige Bild betrifft.

Ein gutes Bild hat zunächst nichts mit der Qualität des Bildes zu tun

Seelensicht

MOLOGUE: Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Seelensicht: Mmh. Mein Ziel ist es so ehrlich wie möglich zu bleiben. Ich weiss aber auch, dass Photoshop einen in der Wirkung nach Außen da manchmal einen Strich durch die Rechnung machen kann. Im Prinzip ist es mein Wunsch, meine Bilder emotional und ausdrucksstark zu gestalten und Gefühle sowohl bei dem Betrachter, als auch bei mir selbst zu erzeugen. Die Male, bei denen mir das nicht gelingt, helfen mir dabei, mich neu zu sortieren, mich weiter zu entwickeln und
meinen Stil zu finden.

MOLOGUE: Welches fotografische Thema würdest du gern mal ausprobieren?

Seelensicht: Ich habe da zwei für mich wirkliche Herzensangelegenheiten, für die mir noch etwas Mut fehlt. An diesem Mut arbeite ich gerade. Es geht um Print in Form eines Buches bei dem einen Projekt. Und um die Dokumentation von Gefühlswelten in Form einer fotografischen Serie bei dem anderen.

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Wir bedanken uns bei der Fotografin Seelensicht für die tolle Zusammenarbeit und das Interview!