MOLOGUE-Buchrezension: Los Angeles – Portrait einer Stadt

Copyright: The Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Los Angeles – Eine Hommage an die Stadt

Dort, wo vor über 100 Jahren Weideland war, befinden sich heute Bürotürme und Wohnsiedlungen. Kaum eine andere Stadt hat sich derart rasant entwickelt wie Los Angeles. Taschen widmet dieser Metropole am Pazifik eine wunderbare Hommage. Mit Essays und Film- sowie Musikempfehlungen ist dieser Bildband das ideale Geschenk für jeden Los Angeles-Fan.

Los Angeles ist eine Stadt voller Widersprüche

Anonymous: A minutely detailed model of downtown Los Angeles was a WPA project displayed at the Museum of Natural History, 1940. Copyright: Tom Zimmerman Collection
Anonymous:
A minutely detailed model of downtown Los Angeles was a WPA project displayed at the Museum of Natural History, 1940.
Copyright: Tom Zimmerman Collection

Wer an Los Angeles denkt, hat unweigerlich bestimmte Bilder im Kopf: breite, palmengesäumte Straßen, unendliche Wohnsiedlungen und natürlich das Hollywood-Sign in den Hügeln nördlich der Stadt. Die Metropole an der Westküste ist noch keine 200 jahre alt und hat sich in den letzten 100 Jahren von einer kleinen Küstenstadt zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum an der Pazifikküste entwickelt. Hier schlägt das Herz der amerikanische raum- und Luftfahrtindustrie und hier ist der Mittelpunkt der internationalen Filmproduktion.

Los Angeles ist eine Stadt der Widersprüche, hier Kultur und Bildung, dort gefährliche Viertel mit hoher Kriminalitätsrate und Bandenkriegen. Diese Stadt entwickelt und verändert sich ständig weiter, wird größer und keiner weiß, wie die Stadt in 20 oder 30 Jahren aussehen wird. Doch wie sah die Stadt vor 100 oder 50 Jahren aus? Welche Rückschläge und Erfolge sind mit dieser Stadt verknüpft? Dank des Kulturanthropologen Jim Heimann erhalten wir einen Einblick in die Vergangen von Los Angeles.

Ein Buch wie ein Daumenkino

Chroniken sind in der Regel staubtrockene Angelegenheiten. Zahlen folgen auf Zahlen und Namen verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Um die Entwicklung einer Stadt zu dokumentieren braucht es visuelle Belege – Beispiele für Epoche und historische Ereignisse. Das vorliegende Buch ist voller visueller Belege und die Chronik einer Stadt, deren Entwicklung rasant verlief und nicht immer frei von schicksalhaften Erlebnissen und glücklichen Fügungen war. Dem Leser wird es bei der Lektüre denkbar einfach gemacht: Er wandert von Epoche zu Epoche. Im Jahre 1862 startet diese visuelle Chronik und blättert man die einzelnen Abschnitte durch, baut sich vor dem eigenen Auge ein fantastisches Daumenkino auf. Langsam aber unermüdlich wird aus dieser staubigen Stadt nach und nach eine provinzielle Stadt. Um dann in den 1930er Jahren förmlich zu explodieren. Sie wird bunter, schriller und lauter. Hollywood ist längst ein Nachbar geworden und die Stadt hat einen Ruf wie sonst nur Berlin zu dieser Zeit.

Copyright: The Academy of Motion Picture Arts and Sciences
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Doch die Stadt verliert in diesen Jahren ihre Unschuld. Bilder lügen nicht und die Auswahl dieser Fotografien zeigt die Schattenseiten einer in sich gewaschsenen Stadt. Nach einem steilen Aufstieg beginnt ab dem sechsten Kapitel der langsame Verfall. Dem Leser werden harte, brutale Bilder vorgesetzt und jede Stadtchronik liest sich da sachlicher.  Dazu gehören tragische Erlebnisse, Aufstände, soziale Missstände und historische Wendepunkte wie die Ermordung von Bobby Kennedy. Aber wie in einen guten Film erholt sich die Stadt, die Bilder im letzten Kapitel werden freundlicher und positiver. Los Angeles ist eben auch the American Dream. Alles ist möglich. Und alles wird irgendwie gut.

Dieses Buch von Taschen ist mehr als ein Bildband

Aber natürlich reichen für so ein großes und schweres Buch nicht nur Bilder. Dieser Bildband ist auch eine Quelle von wunderbaren Tipps und Empfehlungen. So gibt es neben den Filmempfehlungen über diese Stadt auch musikalische und literarische Tipps. Und weil auch das noch nicht reicht, enthält das kolossale Bilderbuch tiefsinnige Essays von Kevin Starr und David L. Ulin. In der Summe ist dieses Buch also mehr als eine visuelle Chronik einer Stadt. Vielmehr ist es die Antwort auf die Frage wie ist diese Stadt funktioniert und wie sie sich entwickelt hat. Das Buch versucht auf diese Fragen eine adäquate Antwort zu geben. Am Ende muss man dieses Werk erlesen und begreifen. Man muss sich regelrecht hineinarbeiten und die Texte im Kontext der Bilder betrachten. Eine herausfordernde Arbeit. Jim Heimann hat bei Taschen ein Buch vorlegt, welches man intensiv studieren muss. Nur dann erkennt man die wahre Geschichte dieser Stadt mit all seine Geschichten, Problemen und Träumen.

 

 

Copyright: The Frank J. Thomas Archives Bildunterschrift: Frank J. Thomas: Muscle Beach, Santa Monica, c. 1954.
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Bildunterschrift: Frank J. Thomas:
Muscle Beach, Santa Monica, c. 1954.

Los Angeles. Porträt einer Stadt
Kevin Starr, David L. Ulin, Jim Heimann
Hardcover, 25 x 34 cm, 572 Seiten

ISBN 978-3-8365-0291-7
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Preis: 49,99 Euro

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