MOLOGUE-Interview mit dem Fotografen Benedikt Ernst aus Köln

„Die Qualität einer Kamera ist nicht unbedingt entscheidend für ein gutes Bild“

MOLOGUE: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Benedikt Ernst: Ich habe mit 10 Jahren so eine Riesch-Ratsch-Agfamatic geschenkt bekommen, damit hatte ich schon Spaß. Mit 14 kam dann die erste Spiegelreflex, die ich bis Anfang 20 auch intensiv genutzt habe. Leider habe ich mir nach dem Abitur leider den Beruf Fotograf als „brotlose Kunst“ ausreden lassen und habe dadurch ganz mit der Fotografie aufgehört. Das verdrängte Interesse wurde erst auch die aufkommende Digital-Fotografie wieder offenbar, als ich als Grafiker in einer Münchener Agentur arbeitete und ab und zu Bilder für Magazine schoss, die wir layouteten.

MOLOGUE: Welche Fotografen beeinflussen deine Arbeit?

Benedikt Ernst: Oh, da gibt es viele, auch aus diversen Richtungen! Ich liebe Anton Corbijn, Peter Lindbergh, Helmut Newton, Richard Avedon, Szymon Brodziak, Nick Knight, Ellen von Unwerth und Kristian Schuller. Alles recht Mode- bzw. People-lastig. Am meisten beeindruckt haben mich aber bisher Leute wie Ragnar Axelsson oder Josef Koudelka. Mega interessant sind auch Leute wie Heinrich Kühn. Ich kann mich tatsächlich tagelang mit Fotobüchern verkriechen und schmökern. Das halte ich auch für wichtig.

MOLOGUE: Welche Tipps kannst du Anfängern auf den Weg geben?

Benedikt Ernst: Authentisch bleiben, sein Ding machen.

Ich sehe in letzter Zeit eine Flut von Fotografen, die alle austauschbare Bilder produzieren. Eine eigene Handschrift ist nicht zu erkennen. Ds finde ich sehr schade. Das ist nicht leicht, aber für einen selbst meiner Meinung nach immens wichtig. Also nicht nur nacheifern, sondern selber kreieren.

Aber auch viel ansehen, nicht im Internet, sondern in Zeitschriften, Büchern, Museen, Ausstellungen. So hat man mehr Zeit und Ruhe, sich mit Bildern auseinander zu setzen.

MOLOGUE: Wie nimmst du Feedback von anderen Fotografen wahr?

Benedikt Ernst: Ich freue mich immer sehr Feedback von anderen Fotografen zu bekommen, auch gerne kritisch. Letztendlich beschäftigt man sich ja auch viel mit sich selbst und seiner Arbeit, da tut es immer mal gut von außerhalb Meinungen zu bekommen.

MOLOGUE: Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei der fotografischen Arbeit?

Benedikt Ernst: Die sozialen Medien spielen sicher immer eine gewisse Rolle, um Kontakte zu knüpfen und hier und da seine eigene Bekanntheit zu steigern. Allerdings denke ich auch, dass es wichtigeres gibt als Followerzahlen und Likes. Also dem ganzen nicht zu viel Gewicht geben.

MOLOGUE: Wo holst du dir Inspirationen her?

Benedikt Ernst: Inspiration kommt für mich überall her. Bücher, Zeitungen, Fußball-Stadion, Dogwalk, Museum oder im Cafe. Ich versuche irgendwie immer einfach die Augen offen zu halten.

MOLOGUE: Wie wichtig ist eine gute Kamera für ein gutes Bild?

Benedikt Ernst: Letztendlich ist die Qualität einer Kamera nicht unbedingt entscheidend für ein gutes Bild. Natürlich machen gewisse Ding mit einer technisch guten Kamera mehr Spaß, aber es ist sicher nicht so, dass man mit einer Kamera für 25.000 € automatisch bessere Bilder macht als mit einer Systemkamera für 400 €. Ich selber benutze ganz gerne auch schon mal minderwertige Ausrüstung oder einfach alte Technik, weil die Bildern ein ganz bestimmtes „Leben“, einen gewissen Look einhauchen kann, was man mit der hochwertigsten Ausrüstung einfach nicht hin bekommt.

MOLOGUE: Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Benedikt Ernst: Das ist eine echt schwere Frage. Irgendwie geraten doch einige Bilder von mir in eine düster-melancholische Richtung, obwohl ich mich selber überhaupt nicht als Typ in die Richtung beschreiben würde. Aber ein Hang dazu kommt wohl über die Bilder raus. Ich habe eine große Liebe zur Schwarz-Weiß-Fotografie, kontrastreich, klar, stark, und dann doch hier und da verschwommen. Wie würdest du ihn beschrieben? (Diese Frage würden wir bei MOLOGUE gern auch an die Leser weitergeben, die dieses Interview lesen. Anm. Red.)

MOLOGUE: Welches fotografische Thema würdest du gern mal ausprobieren?

Bendikt Ernst: Ganz klar Reise-Reportage, aber nicht mit dem Postkarten-Anspruch, sondern eher etwas rauher.

 

Wir danken Benedikt Ernst für das Interview.

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