Fotografin Herzmenschfotografie im Interview

Herzmenschfotografie im Interview

Wir werden immer öfter gefragt, wie wir die Fotografinnen und Fotografen für MOLOGUE auswählen. Ob wir nach bestimmten Stilen oder bekannten Namen Ausschau halten. Tun wir nicht. Wobei – wir halten schon Ausschau. Aber nach talentierten Fotografinnen und Fotografen, die uns begeistern und neugierig machen. Anne Hoffmann alias Herzmenschfotografie hat das geschafft. Wir sind neugierig auf sie geworden und haben uns gefragt: wer ist diese Fotografin, die so unfassbar gute Bilder macht? Also haben wir sie angeschrieben und um ein Interview gebeten. Zu unserer Freude hat sie eingewilligt. Du solltest dieses Interview mit ihr unbedingt lesen, denn am Ende wirst du nicht nur ihre Bilder lieben, sondern auch feststellen, dass diese Fotografin unglaublich sympathisch ist. Wir wünschen dir viel Spaß mit dem folgenden Interview und den Bildern von Herzmenschfotografie!

MOLOGUE: Hallo Herzmenschfotografie, stell dich einmal vor bitte.

Herzmenschfotografie: Ich bin Anne und mit meinen 32 Jahren würde ich mich als eine kreativen Chaotin mit einer Prise Disziplin und zwei Prisen Struktur bezeichnen. Hauptberuflich bin ich im Marketing für ein Unternehmen tätig, das Elektromotoren produziert. Seit zwei Jahren habe ich die Fotografie als Nebengewerbe angemeldet und verdiene mir damit im Sommer den Aufstrich für meine Brötchen.

MOLOGUE: Wieso bist du Fotografin geworden?

Herzmenschfotografie: 2005 bin ich das erste Mal mit der Modelkartei in Berührung gekommen, eine Plattform, auf der ich mich als Model angemeldet hatte. Nach einer längeren Pause hatte ich mich 2013 wieder aufgerafft, um mich wieder vermehrt fotografieren zu lassen. Ich traf damals einen sehr guten Fotografen, der mich ermutigte, selbst auch mal hinter der Kamera aktiv zu werden. Bis dahin war mir allenfalls die gemeine Urlaubsfotografie bekannt. Doch ich begann mich mit Hilfe dieses Freundes mit der Fotografie auseinanderzusetzen und lernte mit der Zeit viel dazu. Heute bin ich unglaublich dankbar über diese Entwicklung, denn ich war lange auf der Suche nach einem Hobby, das mich über einen längeren Zeitraum halten kann. Das ist inzwischen knapp fünf Jahre her.

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MOLOGUE: Was reizt dich an der Fotografie?

Herzmenschfotografie: Man lernt nie aus. Es gab in den fünf Jahren, in denen ich mich intensiv mit der Fotografie beschäftigt habe, nicht einen Moment, an dem ich gedacht habe, ich muss damit aufhören.
Wenn man so zurück auf seine Entwicklung blickt, bemerkt man erst, wie viel sich eigentlich in der Zwischenzeit getan hat und durch welche Prozesse man selbst gegangen ist. Ich glaube, dass jeder Fotograf auch ein Künstler ist, der seine Art zu Denken und zu Fühlen in seine Bilder packt. Deswegen ist für mich der Leitspruch auch immer: „Zeige mir deine Bilder und ich sage dir, wer du bist.“ In gewisser Weise kann jede Kamera auch als Spiegel zu unseren Gedanken und unserer Seele gesehen werden. Durch unsere Auswahl in Bezug auf Beleuchtung, Motiv, Komposition, Bearbeitung etc. verraten wir unglaublich viel über uns selbst. Es gibt kein Bild zweimal und diesen Aspekt finde ich unglaublich interessant. Und ich möchte mich natürlich auch weiterentwickeln und meine Bilder verbessern, das ist ein Grund, der mich antreibt, immer weiterzumachen.

MOLOGUE: Wie inspirierst du dich?

Herzmenschfotografie: Es ist schwer, sich in Zeiten von Social Media nicht inspirieren zu lassen – leider auf eine völlig falsche Art und Weise. Man sieht so viele Ideen, bei denen man denkt: Das will ich auch umsetzen. Und dann entsteht eine schlechte Kopie vom Original. Davor bin auch ich nicht gefeit. Allerdings versuche ich mich eher im Alltag inspirieren zu lassen. Ich gehe durch einen 1€-Laden und schaue mir an, welche Geschichten ich mit den Gegenständen dort erzählen könnte. Diesen Tipp hat mir damals Jonas Hafner gegeben, ein Fotograf, den ich sehr schätze. Außerdem gehe ich mit offenen Augen durch den Dachboden meiner Eltern, besuche mit Vorliebe in Second Hand Läden und achte bei Filmen auf schöne Motive, die mich berühren. Auch Menschen können mich inspirieren. Oft schaue ich die Bilder der Models an und denke: Welche Geschichte könnte ich mit diesem Menschen glaubhaft erzählen? Auch eine spannende Art der Inspiration!

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MOLOGUE: Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Herzmenschfotografie: Die meisten beschreiben meine Bilder als natürlich, echt, romantisch und freundlich. Darin stimme ich fast überein. Fast, weil ich in meinen Bildern Tiefe und auch eine gewisse Dunkelheit sehe. Nichts zerstörend Dunkles, aber ich mag Kontraste. Über die Jahre habe ich mich oft dabei ertappt, dass ich andere Stile nachmachen wollte, um das Bild am Ende doch zu löschen, weil mir die Bearbeitung in diesem „anderen Stil“ nicht gefallen hat. Ich glaube, man kann das gut mit der Musik vergleichen. Jeder in der Fotografie hat seine eigene Stimmhöhe und einen eigenen Ausdruck in der Stimme. Herbert Grönemeyer kann die Musik von Ed Sheeran gefallen. Er wird seine Stimme nie imitieren können. Und das muss er auch gar nicht, denn er hat seinen ganz eigenen Stil, denn er, wenn er zu sich selbst steht, verfolgen sollte, um erfolgreich zu sein. Ähnlich ist es in der Fotografie.

Wir sollten aufhören, andere Stile nachmachen zu wollen und uns ganz auf uns selbst konzentrieren.

Denn indem wir die Fotografie zu unserem Ausdrucksmittel machen und unseren eigenen Stil entwickeln, wird es vielleicht keine neuen Motive geben, aber neue Arten, sie zu interpretieren und sie in ein Gefühl zu verwandeln.

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MOLOGUE: Hast du einen Workflow, wenn du fotografisch tätig bist?

Herzmenschfotografie: Ich suche mir meistens nach dem Shooting meine fünf liebsten Bilder aus und muss auch direkt nach dem Shooting an das erste Bild. Ein paar Tage Bedenkzeit? Bei mir geht das nicht, mich packt direkt nach dem Shooting die Lust daran, das Bild fertig zu machen, da ich dann immer noch das Gefühl für das Shooting im Kopf habe. Andererseits müssen manche Bilder auch erst auf mich wirken, diese kann ich dann erst nach einer gewissen Zeit bearbeiten. Zunächst lege ich den Look in Lightroom fest, um dann in Photoshop die Retusche durchzuführen. Über die Jahre habe ich mir über 5000 Presets in Lightroom angelegt, die ich immer erst durchscrolle, um zu schauen, was mit dem Bild passiert, wenn ich es warm oder kalt bearbeite. Den Look zu finden, dauert am längsten. Danach geht alles ganz schnell und ich bin in 10 Minuten mit der Bildretusche durch.

MOLOGUE: Hast du ein persönliches Lieblingsbild?

Herzmenschfotografie: Eigentlich gibt es nicht das EINE Bild, was mich bewegt. Das sind eher eine Vielzahl von Bildern, bei denen, wenn ich sie anschaue, ich mir denke, dass ich manchmal doch wirklich tolle Menschen vor der Kamera hatte, die mich zu so einer Leistung inspiriert haben. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann hat mich das Bild „soulmates“ (siehe nächstes Bild) zumindest von allen, die ich bisher ausgewählt habe, am schnellsten davon überzeugt, dass es bearbeitet werden muss. Wobei es innerhalb von 3 Minuten fertig war und somit eigentlich keiner richtigen Bearbeitung bedurfte. Vielleicht spricht es mich deswegen immer wieder an – weil es natürlich und echt ist.

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MOLOGUE: Wie nutzt du die sozialen Plattformen für deine Arbeit?

Herzmenschfotografie: Da ich hauptberuflich im Marketing arbeite, bin ich recht faul geworden, was Social Media angeht. Noch vor fünf Jahren habe ich fast täglich auf Facebook gepostet, später kam Instagram dazu. Heute mache ich das immer dann, wenn ich ein Bild fertig habe. Das hat den Druck enorm rausgenommen. Natürlich explodieren die Zahlen dadurch nicht mehr so wie früher, aber das ist auch ok. Social Media ist eine super Sache, um bekannter zu werden. Aber ich möchte nicht mehr nur für Social Media leben.

MOLOGUE: Hand aufs Herz: Welche Fotografen findest du persönlich großartig und warum?

Herzmenschfotografie: Nach wie vor sind meine Idole Grit Siwonia, Jonas Hafner und Syrian Gropius. Grit hat mich vor vielen Jahren fotografiert, sie schafft es, das Licht in ihren Bildern zu halten wie keine andere. Jonas‘ Stil ist meinem ähnlich. Ich glaube, dass ich verstehen kann, was er mit seinen Bildern ausdrücken will. Syrian ist leider nicht mehr aktiv, aber er hat einen sehr künstlerischen Ansatz, dem ich gern folge. Alle drei Fotografen sind Menschen, die persönlich als auch fotografisch absolute Vorbilder für mich sind.

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Wir bedanken uns bei Herzmenschfotografie für das Interview. Mehr über die Fotografin sowie weitere Bilder findest du hier:

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