Die fetten Jahre sind vorbei: Das Reichweiten-Problem der Fotografen

Foto: Mihan Jan Strehovec

Die fetten Jahre sind vorbei

Enttäuschung. Wut. Ratlosigkeit. Diese drei Wörter beschreiben in etwa den Gemütszustand zahlreicher Fotografen auf Facebook. Enttäuschung über schwindende Reichenweiten, Wut darüber, dass die guten alten Reichweiten nur noch mit Geld annährend erreicht werden können und Ratlosigkeit, was man denn anders machen müsste, um die guten alten Zeiten reichweitenstarker-organischer Beiträge zurückzubekommen. Momentan bewegt das Thema organische Reichweite viele Fotografen und still und heimlich weiß die Mehrheit; Die fetten Jahre sind vorbei. Organische Reichweite? Tot. Bezahlte Reichweite? Absolute Pflicht.

Facebook und die Frage: Wo ist meine Reichweite?

Doch zurück auf Anfang. Was waren das doch für goldene Zeiten auf Facebook: Die Fanbase wuchs und die Beiträge konnten ohne finanzielle Mittel reichweitenstark verbreitet werden. Stimmte der Content – stimmte auch die große-zuckersüße Reichweite. Wie im Rausch ergötzten sich die Fotografen in den letzten Jahren an astronomische Reichweitenzahlen. 20.000, 30.000 und 50.000. The Sky is the Limit. Aber nichts ist für die Ewigkeit und Facebook will mit seinen Nutzern und vor allem mit den vielen Seitenbetreibern Geld verdienen. Und so sank die Zahl der User, die die Beiträge gesehen haben kontinuierlich. Flugs wurden allerhand Tipps und Tricks angewendet: Fragen, lange Texte, kurze Texte und natürlich – immer schön Interagieren mit den Fans.

Doch auch das half irgendwann nicht mehr. Im Hintergrund drängte Facebook die Seitenbetreiber dazu, endlich Geld für die Beiträge auszugeben. Reichweite – das ist auch eine Droge für Fotografen. Die gute alte Zeit der großen organischen Reichweite will man wiederhaben. Aber dafür Geld ausgeben? Um keinen Preis. Die Fotografen meckerten, probierten neue Beitragsarten aus und ab und zu belohnte Facebook die Fotografen mit versöhnlichen Reichweiten – bis der nächste kaum gesehene Beitrag kam und der Fotograf enttäuscht, wütend und ratlos war. Wie sollte es für die Fotografen weitergehen?

Foto: Wesson Wang
Foto: Wesson Wang

Instagram als Retter in der Not?

Am Horizont leuchtete plötzlich Instagram auf und versprach endlich wieder eine goldene Ära. Fantastische Reichweiten und endlich mehr Platz für Visuelles. Die Fotografen wanderten in Scharen zur neuen Plattform (die auch zum Facebook-Netzwerk gehört) und freuten sich wie kleine Kinder. Derweil ging das Elend auf Facebook weiter und immer mehr Fotografen stellten konsterniert fest: Das war’s Facebook.

Auf zu Instagram! Aber wenn alle Fotografen auch zu Instagram gehen, was passiert dann eigentlich auf der Fotoplattform? Richtig: Das gleiche Spiel beginnt von Neuem. Es ist wie ein Katz und Maus-Spiel. Stand 2017 jubeln viele Fotografen über sagenhafte Reichweiten und stetig wachsende Followerzahlen auf Instagram und verdrängen, dass auch diese Plattform Geld verdienen will und muss. Das Ergebnis: Auch auf Instagram wird in den kommenden Jahren die organische Reichweite sinken. Auch dort muss der Fotograf irgendwann für reichweitenstarke Beiträge zahlen. Aber das sieht der Fotograf heute nicht. Er sieht das jetzt und feiert die fetten Jahre diese Plattform. Aber bald ist auch diese Party vorbei.

Foto: Alex Holyoake
Foto: Alex Holyoake

Ein Schritt in die richtige Richtung – Social Paids

Was ist die Lösung? Geld. Bezahlen. Keine 1.000 Euro aber doch regelmäßige kleine 2-stellige Beträge. Denn Aufmerksamkeit ist ein teures Gut geworden. Es macht eben doch einen Unterschied, ob ich alleine in einem Schaufenster stehe und kostenlos werbe oder aber 10.000 andere Leute mit im Schaufenster stehen. Wer mehr zahlt und die besseren Inhalte hat, wird immer die größte Aufmerksamkeit bekommen. Geiz ist hier die falsche Einstellung. Und bitte: Jeden Tag nur ein Bild zu posten und das 365 Tage im Jahr ist schlicht unkreativ und kontraproduktiv. Was also tun liebe Fotografen?

Investiert in eure Aufmerksamkeit. Nimmt endlich Geld in die Hand und schimpft nicht auf Facebook oder eure Fans, die frecherweise nicht jedes Bild SOFORT teilen oder liken. Facebook ist nicht die Wohlfahrt und schenkt euch nicht wie vor 5 Jahren kostenlose Aufmerksamkeit und Werbung. Überdenkt eure Einstellung und seid ehrlich zu euch selbst: Was ist mir die Aufmerksamkeit auf Facebook und Instagram eigentlich wert? Die Antwort kann euch entweder helfen oder ruinieren. Die Welt und das digitale Marketing verändern sich und die Regeln auf Plattformen gehorchen nur dem Geld. Aber eins muss euch Fotografen endlich klar werden: Die fetten Jahre auf Facebook sind vorbei.

 

Von Johannes Brümmer

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