Der Zauber der Fotografiska

Fotografiska – Dieses Museum haut einen um

Früher Zollgebäude, heute Museum: Die Fotografiska Credits: flickr/Marco Hamersma
Früher Zollgebäude, heute Museum: Die Fotografiska Credits: flickr/Marco Hamersma

Was macht man an einem Sonntagabend um elf Uhr abends in Stockholm? Wenn das Geld nicht für die Cocktails der schwedischen Hauptstadt reicht, man genug von Touristen hat, aber der Abend zum Schlafen noch zu schön ist? Ab ins Museum. Aber nicht in irgendein Museum, nein, man geht in die Fotografiska. Erstens ist es um die Uhrzeit das einzige Museum, das noch zwei Stunden auf ist. Und zweitens haut es einen um.

Direkt an der felsigen Kante Södermalms gelegen, wartet die Fotografiska gleich mit mehreren Attraktionen auf: Da ist das preisgekröntes Restaurant ganz oben, mit der besten Aussicht auf Stockholm. Da ist der Shop mit unzähligen Fotobänden. Da ist Raum für Workshops und Konzerte. Und dann sind da die Ausstellungen. Davon laufen immer mehrere gleichzeitig, da sind große Namen vertreten, Newcomer aus Schweden, Tribute und sozialkritische Fotoprojekte: Eine große Vielfalt.

Jede Ausstellung ist ausführlich erläutert, selbstverständlich auch auf Englisch, es gibt begleitende Making-Of Filme und auch künstlerische Filme lockern die Atmosphäre auf.

In Bryan Adams Ausstellung begegnet man bekannten Gesichtern: Linda Evangelista Credits: Lisa Muckelberg
In Bryan Adams Ausstellung begegnet man bekannten Gesichtern: Lana del Rey. Credits: Lisa Muckelberg

 

Das Beste ist jedoch die Ruhe. Wenn man spät abends kommt, ist man beinahe allein. Keine anderen Besucher, die durch Geplapper die Wirkung der Fotografien einschränken. Niemand, der drängelt oder dem man aus dem Weg gehen möchte. Einfach nur Stille, weite Räume, indirektes Licht und die eindrücklichen Fotografien. Sie können ihre volle Wirkung entfalten, man kann sich in den Augen der Menschen verlieren, sich auf die Tragweite sozialer Konflikte und Missstände der Welt einlassen und diese wundersame Mischung aus Schönheit und Tragik erfassen.

Verlässt man die Fotografiska, so tut man das mit gemischten Gefühlen. Da ist Demut, da ist Wut, Trauer, Hilflosigkeit. Da ist aber auch Begeisterung, Faszination und Euphorie. Da ist Bewunderung und der Wunsch, selbst die Kamera in die Hand zu nehmen.

Fotografie kann all dies auslösen. Aber sie braucht auch einen Ort, wo das Ambiente stimmt. Dieser Ort ist hier. Als ich dort war, erwartete mich Bryan Adams mit Porträts seiner Freunde und Kollegen, aber auch mit einer berührenden Serie über britische Soldaten, die lädiert aus Afghanistan zurückkehrten. Besonders beeindruckte mich auch Nick Brandt, der in Afrika Bilder von Tieren aufstellte, wo sie einst lebten, jetzt aber nur die Industrie herrscht. Aktuell ist eine Serie von Anton Corbijn zu sehen.

Auch aus der Ferne kann man jedoch teilhaben: Auf dem Instagram-Account @fotografiska sind jede Woche andere Fotografen zu Gast und stellen ihre Bilder und Projekte vor. Kein Ersatz, aber ein Appetizer. Und eine herzliche Empfehlung.

Autorin: Lisa Muckelberg

 

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