David LaChapelle – Heaven to Hell

David LaChapelle – Heaven to Hell

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Bild: David LaChapelle, Erschienen im: Taschen Verlag, 2010

Bitte bewahren Sie dieses Buch gut versteckt vor Kindern auf! Denn der Inhalt dieses Bildbandes ist nichts für kleine Kinderaugen. Ein kleiner Blick genügt, um von den Bildern des Ausnahme-Fotografen geschockt zu sein. Ob das vom Fotografen gewollt ist? Aber natürlich!

Will David LaChapelle einfach nur schockieren?

An einen schönen Dezember-Abend öffnet man diesen Bildband und 30 Minuten später ist man sprachlos, geschockt und nachdenklich. Denn in dieser Zeit kamen die Augen, das Gehirn und alle anderen Sinne nicht zur Ruhe. Was sich auf den 352 Seiten in Farbe und Schwarz-Weiß offenbart, kann man getrost als visuelles Augenporno bezeichnen. LaChapelle penetriert den Betrachter seines Bildbandes „Heaven to Hell“ mit schockierenden Fotografen, die mal an Pornografie erinnern und auf der nächsten Seite wieder plötzlich artig-brav daherkommen.

Die Bandbreite seines Schaffens ist die komplette Klaviatur der fotografischen Inszenierung. Und alle spielen mit: Fast jeden Film-, Musik- oder Sportstar hat David LaChapelle abgelichtet. Verstörend sind einige seiner Aufnahmen und teilweise grenzwertig inszeniert. Ein Beispiel gefälligst? Dann schlagen Sie mal Seite 114/115 auf. Zu sehen sind dort Tommy Lee und Pamela Anderson. Während Madame Anderson ihren damaligen Lebensgefährten Lee oral zu befriedigen scheint, sitzen um dieses Paar herum nackte Menschen. Jung wie Alt posiert in harmonischer Eintracht. Dieses Bild muss man sich auch erst einmal trauen. Doch warum zum Teufel macht David LaChapelle solche Bilder? Will er einfach nur schockieren?

„Heaven to Hell“ ist der Spiegel der amerikanischen Gesellschaft

Um diese Fotografien zu verstehen, muss man seinen Sinn dahinter reflektieren. David LaChapelle ist keineswegs ein perverser Fotograf, der mit anstoßenden Bilder Ruhm und Ehre einheimsen möchte. Seine Bilder sollen die zunehmend verrohende Gesellschaft wachrütteln. Schaut hin! Seid schockiert! David LaChapelle spielt mit den Tabus der Gesellschaft und vor allem in den USA scheint dies besonders nötig. In keinem anderen Land herrscht ein so eklatanter Unterschied zwischen der öffentlich dargestellten Prüderie, in dem selbst das Wort „Fuck“ verboten ist und der privaten sowie wirtschaftlichen Produktion von Pornografie. Dass gerade Pamela Anderson in sexuellen Posen zu sehen ist, ist umso logischer. In lasziven Stellungen und eindeutig pornografischen Handlungen manifestiert sich der große Unterschied zur Popkultur und der verpönten aber allgegenwärtigen Pornoindustrie.

In „Heaven to Hell“ lauert auf jeder Buchseite die nächste Provokation

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Bild: David LaChapelle, Erschienen im: Taschen Verlag, 2010

Da erscheinen die harmlosen Bilder von Stars wie Britney Spears, Silvester Stallone oder Alicia Keys wie visuelle Füllstücke. In den schrillen Bildern des Fotografen LaChapelle schreit es nach Kitsch, bunten Farben und provokanten Posen. Der Leser soll sich ja nicht ausruhen oder mit einer gewissen Gleichgültigkeit dieses Buch durchblättern. Auf jeder Seite lauert die nächste Provokation und mit ihr der kurzzeitig einsetzende Schock.

David LaChapelle lässt den Leser aufgewühlt zurück

Hat man diesen Bildband am Ende durchgeblättert, ist man gleichsam erleichtert als auch aufgewühlt. Man stellt sich die Frage: Darf man sowas zeigen? Ist das nicht viel zu provokant und voller sexueller Handlungen und Inszenierungen? Doch das sollte jeder für sich selbst herausfinden. Taschen hat aber – und da muss man neutral bleiben – ein wunderbares Buch über einen begnadeten Fotografen herausgebracht. Es schreit und brüllt mit den vielen kontroversen Bildern nach immerwährender Aufmerksamkeit und lässt den Leser aufgewühlt zurück.

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Bild: David LaChapelle, Erschienen im Taschen Verlag, 2010

MOLOGUE urteilt: Dieses Buch schockt den Leser

Für alle Nonkonformisten und Interessenten visueller Reizbilder ist dieser Bildband ein verlegerischer Segen. Für alle Fotografie-interessierten Leser ist es eine wohltuende Abwechslung zu den ewiggleichen Bildbänden voller Sinnlichkeit und Harmlosigkeit. Dieses Buch schockt, eckt und ist doch so faszinierend. David LaChapelle ist ein Ausnahme-Fotograf und „Heaven to Hell“ beweist dies eindrucksvoll.

 

Credits: David LaChapelle
Buchcover: David LaChapelle

David LaChapelle: Heaven to Hell

Erschienen: 2010
Verlag: Taschen, Köln
ISBN-13: 978-3836522847
Maße: 26.7 x 3.8 x 34.3 cm
Seiten: 352

 

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